LUNA PREM: Einführung eines innovativen stationären Programms zur Emotionsregulation bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen
Das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit (FNPG) kündigt die Einführung des Programms LUNA PREM an. Es handelt sich um eine spezialisierte stationäre Betreuung für Patientinnen und Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung mit Schwerpunkt auf der Emotionsregulation. Das Pilotprogramm wird auf der Station Luna in Marsens entwickelt und beruht auf einem interprofessionellen Ansatz, der in der Westschweiz einzigartig ist.
Borderline-Persönlichkeitsstörungen betreffen rund 2 % der Bevölkerung, was im Kanton Freiburg potenziell rund 7000 Personen entspricht. In stationären Einrichtungen können diese Patientinnen und Patienten bis zu 25 % der behandelten Personen ausmachen. Die Störung ist kennzeichnet durch starke emotionale Instabilität, Impulsivität, Angst vor dem Verlassenwerden sowie oftmals intensive und chaotische zwischenmenschliche Beziehungen.
Konkrete Ziele für Patientinnen und Patienten
Das Programm LUNA PREM auf der Station Luna mit 21 Betten zielt darauf ab, die Emotionsregulation zu verbessern, Risikoverhalten wie Selbstverletzung oder Impulsivität zu reduzieren, zwischenmenschliche Beziehungen zu stabilisieren sowie das Selbstwertgefühl und das Identitätserleben zu stärken. Zudem ermöglicht es, nachhaltige Strategien im Umgang mit emotionaler Belastung zu entwickeln und eine bessere Lebensqualität zu erlangen. Darüber hinaus stellt es eine stationäre Weiterführung des ambulanten Programms PRISME dar, das sich an dieselbe Patientengruppe richtet. Diese Behandlungskontinuität stellt einen weiteren wesentlichen Vorteil des Programms dar und ist in dieser Form in der Westschweiz neu.
Ein strukturierter und wissenschaftlich fundierter therapeutischer Ansatz
Das Programm LUNA PREM beruht auf der dialektischen Verhaltenstherapie von Marsha Linehan, einer seit mehreren Jahren wissenschaftlich fundierten Methode zur Behandlung dieser Störung. Dieser Ansatz konzentriert sich auf das Spannungsfeld zwischen Selbstakzeptanz und Veränderungsbereitschaft und ermöglicht es den Patientinnen und Patienten, konkrete Kompetenzen zur besseren Emotionsregulation und zur Verbesserung ihrer Lebensqualität zu entwickeln. Das Programm bietet einen sicheren und strukturierten therapeutischen Rahmen, in dem an der Achtsamkeit, der Emotionsregulation, der Stresstoleranz und den zwischenmenschlichen Fertigkeiten gearbeitet werden kann. Gleichzeitig werden die therapeutische Allianz, gegenseitige Unterstützung und das Erproben neuer Verhaltensweisen gefördert.
LUNA PREM beruht auf einer engen Zusammenarbeit zwischen den Teams des Bereichs Erwachsenenpsychiatrie und ‑psychotherapie, der Pflegeabteilung, der psychologischen Abteilung, der Spezialtherapien und des Sozialdienstes des FNPG. Es umfasst eine intensive und kontinuierliche klinische Betreuung über vier Wochen, in der die erlernten Strategien unmittelbar erprobt werden können. Weitere Bestandteile des Programms sind eine auf die Beziehungsunterstützung ausgerichtete Pflege sowie spezialtherapeutische Angebote wie Kunsttherapie und Ergotherapie, die in einem geschützten Rahmen Räume für Exploration und Lernen bieten.
Eine zentrale Unterstützung für Angehörige
Angehörige spielen im therapeutischen Prozess eine zentrale Rolle. Deshalb bieten die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter der Station Luna den Angehörigen von Patientinnen und Patienten dieser Station mit dem Programm CôtéProches eine individuelle Begleitung über den gesamten Behandlungsverlauf an. Das Angebot erleichtert den Zugang zu emotionaler Unterstützung, hilft den Angehörigen, die Krankheit besser zu verstehen und konkrete Instrumente im Alltag anzuwenden, und begleitet sie zugleich in ihrer Rolle als unterstützende Bezugspersonen. Strukturierte Einzel- oder Familiensitzungen ermöglichen es, die Bedürfnisse zu erfassen, eine angemessene Unterstützung anzubieten und die Kompetenzen in Kommunikation und Emotionsregulation zu stärken.
KONTAKT
Luca Rampa, Stellvertretender ärztlicher Direktor des Bereichs Erwachsenenpsychiatrie
Tel. 026 308 13 01
Florence Guenot, Direktorin der psychologischen Abteilung
Tel. 026 308 17 71