Buch von Adèle Yon: «Mon vrai nom est Elisabeth»
Wenn psychiatrische Archive den Verstand verlieren … Die Historikerin Adèle Yon will das Leben ihrer Grossmutter rekonstruieren, die an Schizophrenie litt und in den 1960er-Jahren in Frankreich 17 Jahre lang in einer psychiatrischen Klinik untergebracht war.
Die Autorin beschäftigt dabei insbesondere die Frage nach einer möglichen genetischen Veranlagung, wobei sie persönliche Eigenheiten auf eine mögliche Vererbung zurückführt. Doch ihre Spurensuche durch Familienunterlagen, persönliche Erzählungen und Klinikarchive führt zu einem überraschenden Ergebnis: Nichts davon ist wahr oder richtig. Um besser leben zu können, gilt es, mit den überlieferten Familienlegenden aufzuräumen.
Das Buch zeichnet auch ein Bild der ebenso bewegten wie wenig ruhmreichen Geschichte der Anstaltspsychiatrie. Menschen, die als störend empfunden wurden, sollten aus dem gesellschaftlichen Leben entfernt werden – und dies keineswegs immer aufgrund einer psychischen Erkrankung. Ein verstörender Blick in das vergangene Jahrhundert, der daran erinnert, dass die Psychiatrie nicht als Instrument gesellschaftlicher Normierung fungieren darf, sondern den Menschen als autonomes Subjekt unterstützen soll.
Adèle Yon: Mon vrai nom est Elisabeth. Éditions du Sous-Sol, Juni 2025, 392 Seiten.