Luca Rampa
Im Alltag

Zweisprachigkeit in den Notaufnahmen des FNPG

Wer notfallmässig in medizinische Behandlung muss, möchte in seiner Muttersprache kommunizieren. Im zweisprachigen Kanton Freiburg stellt dies das medizinische Personal zeitweise vor grössere Herausforderungen. Es braucht rund um die Uhr Fachkräfte in beiden Sprachen, und dies in einem Sektor, in dem Fachkräftemangel herrscht. Das führt dazu, dass häufig Französisch gesprochen wird. Der dreisprachige Psychiater und Stellvertretende ärztliche Direktor der Erwachsenenpsychiatrie im FNPG, Luca Rampa, beschreibt die Herausforderungen und nennt mögliche Lösungsansätze. 

Wie wichtig ist es für deutschsprachige Patientinnen und Patienten, dass sie in einem psychiatrischen Notfall in ihrer Muttersprache kommunizieren können? 

Luca Rampa: Für deutschsprachige Patientinnen und Patienten ist es einfacher zu kommunizieren, wenn jemand mit Ihnen Deutsch oder Dialekt spricht. Sie fühlen sich erleichtert und bauen schneller Vertrauen auf, da sie sich verstanden fühlen. Das wirkt sich auch auf die Beziehung der Patientinnen und Patienten zum Personal aus. Allerdings kann gerade in Notfällen eine Behandlung in der gewünschten Sprache nicht immer garantiert werden. 

Wie geht das FNPG mit der Sprachproblematik in Notfällen um? 

Die Anmeldung zur Konsultation in der kantonalen Notfallpsychiatrie erfolgt in der Regel per Telefon und es wird zeitnah ein Termin vereinbart, damit die hilfesuchende Person vor Ort kommen kann. Zu diesen Terminen werden deutschsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeplant. 

Und wenn jemand ohne telefonische Vorankündigung direkt in die psychiatrische Notaufnahme kommt? 

Bei sogenannten Walk-in-Patientinnen und -Patienten kann es sein, dass der erste Kontakt auf Französisch erfolgt. Das FNPG bemüht sich aber, umgehend eine Lösung zu finden, damit sich Patientinnen und Patienten in ihrer Muttersprache ausdrücken können. 

Was wäre denn eine solche Lösung? 

Die Erstkonsultation in der Notaufnahme erfolgt jeweils bei einer Ärztin oder einem Psychologen und einer Pflegefachperson. Wenn es die Situation zulässt, wird ein Termin gesucht, an welchem eine deutschsprachige Konsultation möglich ist. Duldet die Situation keinen Aufschub, werden für die Übersetzung zweisprachige Mitarbeitende aus anderen Abteilungen beigezogen. Meist kann sich aber eine der anwesenden Personen gut auf Deutsch verständigen und kann für ihre Kollegin oder ihren Kollegen übersetzen. 

Wie beurteilen Sie die Einstellung der Mitarbeitenden zur Mehrsprachigkeit? 

sehen eine grosse Motivation, sich in deutscher Sprache auszudrücken, aber auch eine gewisse Unsicherheit. Es gibt französischsprachige Kolleginnen und Kollegen, die sich bemühen, auf Deutsch zu kommunizieren. Wenn aber der genaue Fachwortschatz fehlt, gehen gewisse Details verloren, und die Kommunikation wird erschwert. Bestimmte Redewendungen oder auch Humor können in einer Fremdsprache schwierig zu verstehen sein. So sind die Patientinnen und Patienten dann oft dennoch frustriert, weil sie nicht genau verstanden werden, und die Kritik entmutigt das Team. Hinzu kommt die Herausforderung des Dialekts. Wenn ein Sensler zum Beispiel sagt, er wolle sich «ga tuusche», will er sich umziehen und nicht duschen, was leicht falsch verstanden werden kann. 

Was wäre hilfreich für eine bessere Verständigung? 

Idealerweise müsste jeder umgehend sagen können, wenn er sich nicht verstanden fühlt, damit man Übersetzungsfehler und Missverständnisse sofort erkennen und ansprechen kann. Gegenseitige Toleranz ist in einem mehrsprachigen Umfeld sehr wichtig. Auch wenn ein französischsprachiges Team einen deutschsprachigen Patienten nicht auf Anhieb versteht, wird sein Anliegen sehr ernst genommen. Das darf man nie vergessen. Es geht im Grundsatz immer darum, zu helfen und Hilfe zu erhalten. Bei Patientinnen und Patienten, die weder Deutsch noch Französisch sprechen, sehen wir eine sehr pragmatische Einstellung: Sie bieten oft an, das Handy für die Übersetzung einzusetzen. 

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen im Bereich der Zweisprachigkeit? 

Die grösste Herausforderung besteht klar in der Rekrutierung des Personals. Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der zweisprachig ist und die fachliche Kompetenz gleichermassen in den zwei Sprachen ausüben kann. Hinzu kommt die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt rund um Bern und um Lausanne. Zweisprachigen Personen stehen beide Regionen offen. 

Wie kann die Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit im medizinischen Alltag gefördert werden? 

Das FNPG bietet bereits kostenlose Sprachkurse für seine Mitarbeitenden an. Wichtig ist ein starker Fokus auf medizinisch-technische Fachinhalte. Idealerweise kann die Sprachkompetenz in konkreten Übungssituationen getestet werden. Aber Sprachkenntnisse allein reichen nicht. Man muss auch Grenzen erkennen und setzen können. Es braucht ein Verständnis auf beiden Seiten, dass die Fremdsprachenkenntnisse nicht immer ausreichen. Man muss sagen können: «Ich verstehe Sie nicht gut genug, wir müssen eine andere Lösung suchen.» Eine Behandlung in Deutsch ist im FNPG immer möglich, sie muss aber teilweise erst organisiert werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele deutschsprachige Patientinnen und Patienten Geduld aufbringen können, aber das ist aus unserer Sicht nicht die Lösung. Wir möchten uns kontinuierlich verbessern und arbeiten weiterhin daran, die Versorgung am FNPG so weit wie möglich auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abzustimmen.